Rhoden in Waldeck
 
Jüdischer Friedhof in Rhoden

Dokumentation des Jüdischen Friedhofes Rhoden

Hebräische Grabstein-Inschriften ins Deutsche übersetzt


Als Kulturgut besonderer Art habe ich den jüdischen Friedhof in Rhoden stets betrachtet. Mit Grabstei-nen aus drei Jahrhunderten dokumentiert er einen Teil jüdischen Lebens im Bereich der heutigen Stadt Diemelstadt.

Bürger jüdischen Glaubens sind in Rhoden und Wrexen, die gemeinsam eine Gemeinde mit Synagoge in Rhoden bildeten, ab dem 18. Jahrhundert registriert und auf dem Friedhof beerdigt.

Diese Ruhe- und Gedenkstätte als wichtiges örtliches Kulturdenkmal zu erhalten und auch über die „verordnete“ Verpflichtung hinaus zu pflegen, war stets mein besonderes Anliegen, zumal ich als städtischer Bediensteter viele Jahre für den Friedhof verantwortlich war.

Schon vor vielen Jahren beobachtete ich mit Sorge die zunehmenden Emissionsschäden an den Grab-steinen, obwohl sie hier nicht so drastisch sind  wie auf dem Kirchhof Alt Rhoden in unmittelbaren Nähe der Autobahn. Dennoch ist abzusehen, dass die Sandsteingrabmale des Judenfriedhofes im Laufe der Zeit „zerfallen“ – manche Inschriften sind schon heute nicht mehr lesbar, wie auf dem Foto links zu sehen.


Es war daher mein Bestreben, den gesamten Friedhof mit den Gräbern und Grabsteinen zu dokumen-tieren, ähnlich wie es die deutschlandweit agierende Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal in Kassel mit den Grabsteinen des Alt Rhoder Kirchhofes gemacht hatte. Mit Karl Heinemann fand ich einen ebenso kompetenten wie auch interessierten Partner, der die technischen Voraussetzungen für eine exakte Bestandsaufnahme mitbrachte. Einige Tage, ja Wochen, dauerte die Ein- und Vermes-sung, genau nach Koordinaten! Dabei bereitete der kleine Hügel, auf dem der Friedhof liegt, einige Mühe. Immer wieder mussten die Geräte umgesetzt werden, wobei ich als Messgehilfe fungierte.  Den „Koordinaten-Festpunkt“ holten wir von der damals im Bau befindlichen Umgehungsstraße Rhoden der B 252. Inzwischen hat Karl Heinemann den „koordinatengenauen“ Plan des jüdischen Friedhofes Rhoden in seinem PC gespeichert.


Die nächste Aufgabe war die fotografische Aufnahme der Grabsteine für die Enddokumentation. Dazu mussten sie in mühseliger Arbeit gesäubert werden und die verblassten und teilweise abgeblätterten Inschriften habe ich, soweit überhaupt möglich, nachgearbeitet, um die Schriftzeichen deutlich zum Vorschein zu bringen. Nach weiteren Wochen war auch das geschafft und Karl Heinemann konnte die Fotodokumentation digital in den PC und auf CD bannen. Nicht weniger als 3 Jahre vergingen, bis die Arbeit fortgesetzt werden konnte.

Der Grund: Die ältesten Grabsteine sind ausschließlich hebräisch beschriftet, während in einer späte-ren Epoche eine Seite des Grabsteines die hebräische und die andere Seite die deutsche Beschriftung aufweist. Die Inschriften der jüngeren Grabmale sind ausschließlich deutsch, was die Integration der jüdischen Bürger in Diemelstadt beweist. Die Dokumentation sollte aber unbedingt auch die deutsche Übersetzung aus dem Hebräischen enthalten.

Leider fand sich zunächst niemand, der die hebräischen Inschriften lesen, geschweige übersetzen konnte. Auch ehemalige Bürger, die während der NS-Zeit nach Amerika flohen oder auswanderten und in den 70. und 80. Jahren ihre ehemalige Heimat Rhoden oder Wrexen und ihre verstorbenen Vorfah-ren auf dem Friedhof besuchten (Stern, Lichtenstein Mosheim) waren dazu leider nicht in der Lage.


Im vergangenen Jahr bekam ich zufällig über einen israelitischen Freund meines Freundes Kontakt mit Frau Ada Herlinger in Kassel. Sie schaffte in mühevoller Arbeit die Übersetzungen.


Anlässlich eines Besuches in Rhoden sah sie sich den Friedhof an und übergab die Übersetzung, was auf dem Foto vor dem Judenfriedhof mit Karl Heinemann (links) Ada Herlinger und mir auf dem Foto links unten festgehalten wurde.


Karl Heinemann und ich waren begeistert über diese Zeugnisse jüdischer Kultur und jüdischen Glau-bens, die diese Inschriften und auch die bildhauerischen Darstellungen sowie die Symbole auf den Grabsteinen vermitteln.


Die Inschrift dieses ältesten mit einer Jahreszahl beschrifteten Grabsteines aus dem Jahre 1763 (Foto in der Mitte) lautet in deutscher Übersetzung:


Hier ruht(die)tüchtige Frau,

Riwka Tochter des Reb  Mordechai,

die Frau des Reb Awraham Löb,

verstarb am Dienstag, 29 Tamus, 533

Ihre Seele sei gebunden in das Bündel des Lebens

        

                                                                                 Übersetzung: Ada Herlinger


Mein und den Dank der Bezirksgruppe Diemelstadt des Waldeckischen Geschichtsvereins, die für die Dokumentation verantwortlich zeichnet und finanziert, soweit die Arbeit ehrenamtlich nicht möglich ist, an Ada Herlinger gab diese mit der Bemerkung zurück, dass hier beispielhaft altes Kulturgut jüdischen Lebens in Diemelstadt und auch darüber hinaus für künftige Generationen erhalten werde.

Für die weitere Bearbeitung bot sie die dankbar angenommene Hilfe an.


Diemelstadt im Juli 2006                                              Heinrich Friele